Was macht ein Waveformmonitor (WFM) am Set?
Da bei Video das Bild elektronisch entsteht, hat der Kameramann die Möglichkeit das Bild sofort -sprich ohne zusätzliche Ausspiegelung- im Sucher- oder Fieldmonitor zu sehen. Wenn das Licht auf den Sensor (Chip/Bildebene) fällt, wird aus jedem Helligkeitswert eine Ladung, ein Wert. Dieser Wert wird verarbeitet, mit einer Gammakurve versehen und (bei einer Videokamera) einem aufwendigen Signalprozessing unterzogen. Die Abstufungen dieses finalen Signals kann man auf einem Waveformmonitor (WFM) darstellen.
Nicht nur bei z.b. digi-beta (also SD), sondern auch bei HD hatte man früher für die Beurteilung der Belichtung das Problem einer nur geringen Qualität der Sucher, die zudem noch schwarz/weiß waren.
Auch ein sogenannter Klasse1-Monitor kann hier nur Abhilfe schaffen, wenn er richtig eingemessen ist, am Set mindestens per Farbbalken geprüft wird und das Umgebungslicht korrekt ist. Nur dann kann man den Vorteil einer „Ausspiegelung in voller Auflösung“ nutzen.
Neben messtechnischen Dingen, bietet ein Waveformer (Oszilloskop) hier eine große Hilfe beim Drehen. Das Bild, das von der Kamera kommt, wird in Helligkeitsstufen dargestellt. Auf der horizontalen Ebene findet eine räumliche Darstellung statt. Dies bedeutet, dass Objekte, die rechts im Bild sind auch rechts im Waveformer zu sehen sind. (Die Overlay-Funktion hilft dies zu verstehen, da man hierbei das Kamerabild und das WFM-Bild übereinander anzeigen kann und dadurch Werte direkt, räumlich zuordnen kann.) Vertikal werden beim WFM allerdings Helligkeitswerte von dunkel (unten) bis hell (oben) angegeben. Ein vereinfachtes Beispiel: Eine stehende Person mit weißer Hose und schwarzem Hemd, die bildfüllend zu sehen ist, wird nicht als Person auf dem WFM sichtbar. Nur ihre horizontale Position.
Die weiße Hose hat einen höheren Pegel/Blende/Wert und stellt sich somit im oberen Bereich dar, wohingegen das schwarze Hemd im unteren Bereich zu sehen sein wird. Umgekehrt stellt sich ein weißes Hemd auch oben dar und eine schwarze Hose wird eher im unteren Bereich liegen. Dieses hell und dunkel, dieses hoch und runter, erklärt den Namen Waveformer (Wellenform).
Wenn man einen WFM „lesen“ kann, bietet er dem User Möglichkeiten wie ein Spotmeter. Mit der Erweiterung, daß alle(!) Werte andauernd(!) angezeigt werden. Ich nenne es zum einfacheren Verständnis deswegen oft auch >Dauerspotmeter< .
Ein WFM/Vektorskop bietet -am Set richtig eingesetzt- eine technische und kreative Hilfe für Bildqualität und Belichtung, die somit nicht nur für Techniker interessant ist. Will man das gesetzte Licht konventionell messen, wird ein WFM sehr zum Verständnis bezüglich Zonensystem beitragen. Hauttöne, Schatten- und Highlightzeichnung in Bezug zur benutzten Gammakurve, können einfach abgelesen werden. Besonders bei Nacht/Aussen-Drehs kann der WFM zur Belichtungsmessung/Kontrolle „Leben retten“, selbst wenn nur die grundlegendsten Funktionen beherrscht werden.
Ein Vektorskop (ebenfalls ein Oszilloskop) soll hier nur kurz erklärt werden. Vereinfacht, bietet es die Möglichkeit, anstatt Helligkeitswerte, nun die Farben des Bildes zu kontrollieren. Dies geschieht über Vektoren, die in einem Farbkreis angeordnet sind und u.a. Farborte, Farbton und Sättigung sichtbar machen. Beide Funktionen, WFM und Vektorskop, sind inzwischen meist in einem Gerät integriert, das -wie der Astro WM-3014- auch zusätzlich als reiner (Bild-)Monitor zu nutzen möglich ist (Doku, on-camera, Steadicam).
Weitere Infos und Links zu Herstellern von WFMs siehe unter Links